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Die Vierte Gewalt im Digitalisierungsstress

Wie hat sich die Rolle der Medien im digitalen Zeitalter verändert? Ist aufgrund des neuerlichen Strukturwandels der Öffentlichkeit die Meinungsfreiheit in Gefahr? Fragen wie diese wurden zuletzt vermehrt diskutiert. Wohl nicht ohne Grund.   Demokratie kann man sich als kontinuierlichen Kommunikationsprozess vorstellen, die Medien bieten eine Plattform hierfür. Schon deshalb gehören sie (wie Parteien oder die Justiz) für den Politologen Jan Werner Müller zur kritischen Infrastruktur der Demokratie. Zumal es ohne Kritik keine Besserung der Verhältnisse gibt, wie der Publizist Armin Thurnher festhält. Und ohne Medien keine öffentlich wahrnehmbare Kritik. In der Politik war immer schon die Macht des Wortes ausschlaggebend. Dem Historiker Herfried Münkler zufolge war die Demokratie zu Beginn eine rein bürgerliche Veranstaltung. Die Leute mussten lesen können, um den demokratischen Prozess mitverfolgen und sich gegebenenfalls daran beteiligen zu können. Worte dienen dabei zum rati...

Teilhabe statt Jammern

Fritz Jergitsch, der Gründer des Online-Satiremagazin „Tagespresse“, präsentierte am 23. Februar 2026 in der Linzer Thalia-Buchhandlung seine aktuelle Publikation „Heulen hilft uns auch nicht weiter“. Der Untertitel „Populismus verstehen. Freiheit digital neu denken“ sagt, worum es darin geht.   Wie vielen ist Jergitsch zum Heulen zumute angesichts der aktuellen Umfragewerte der Rechts­populisten und der politischen Landschaft drumherum, in Österreich wie international. Der gelernte Volkswirt ist darob jedoch nicht in Schockstarre verfallen, sondern hat ein Buch verfasst, in dem er sich auf die Suche nach den Ursachen für den Aufstieg des Rechtspopulismus begibt, um daraus Schlüsse zu ziehen, welche Gegenmittel man ergreifen könnte. Gegen Pessimismus und Resignation will er damit anschreiben, als Verfechter weniger eines wirtschaftlichen als eines politischen Liberalismus, mit den Eckpfeilern Demokratie, Rechtsstaat und Gewaltenteilung. Zwei Hauptursachen für den erwähnten Tr...

Europa als Dritte Kraft

Der Historiker Wilfried Loth sieht im Konzept eines „Europas der Dritten Kraft“, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Konjunktur hatte, eine der Triebkräfte der europäischen Integration. Inwieweit ist diese Konzeption heute noch – bzw. wieder – aktuell? „In Europa und überall auf der Welt gibt es Staaten, Gruppen und Individuen, die verstanden haben, dass beim gegenwärtigen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung keines der großen Probleme mehr im Rahmen der Grenzen zufrieden stellend gelöst werden kann, dass ohne eine lebendige Solidarität mit den anderen kein Volk mehr in Wohlstand leben, ja überhaupt überleben kann, und dass man sich gruppieren, föderieren, einigen muss oder untergehen wird. Sie lehnen es ab, sich von vornherein in eines der Lager einschließen zu lassen, die sich die Welt zu teilen scheinen, weil sie die Notwendigkeit einer universellen Solidarität empfinden, weil sie die Gefahr für den Frieden ermessen, die ein Fort­dauern der Teilung und der Gegensätze enthält, un...

Habsburg als Vorbild?

  Im Rahmen des Projekts RECONNECT hielt die belgische Journalistin Caroline de Gruyter Ausschau nach Parallelen zwischen der untergegangenen Donaumonarchie und der heutigen EU. „Habsburg Lessons for a Resilient, Democratic EU “, so der Titel des Artikels von Caroline de Gruyter, der auf ihrer Rede bei der Abschlusskonferenz des Projekt RECONNECT im April 2022 beruht. Das interdisziplinäre Projekt hatte zum Ziel, Vorschläge zur Verbesserung der Beziehung zwischen der EU und den von ihr vertretenen Menschen zu liefern. Die EU, merkt die Autorin einleitend an, wird für vieles kritisiert: Sie sei zu bürokratisch, die Entscheidungen dauern zu lange usw. Manche meinen, sie könnte bald einmal implodieren. Bei ihrem mehrjährigen Aufenthalt in Wien erkannte de Gruyter: Die EU ähnelt darin dem Habsburger­reich, das gleichfalls ständig kritisiert wurde, sich dennoch über viele Jahrhunderte gehalten hat. Und die Autorin fragt sich: Vielleicht sind die Ansprüche der Bevölkerung an ...

Armut in der Krisengesellschaft

  Die Sozialplattform OÖ lud Ende März zur Buchpräsentation in die Räume der AK OÖ. Moderiert wurde die von regem Publikumszuspruch gekennzeichnete Veranstaltung von Manuela Hiesmair.   Auch wenn der Band „Armut in der Krisengesellschaft“ bereits Ende des Vorjahres erschienen ist – an der Brisanz der behandelten Thematik hat sich nichts geändert, im Gegenteil. Angesichts der aktuellen Budgetzahlen stehen bekanntlich Sparmaßnahmen im Raum. Zu befürchten ist, das Armutsbetroffene deren Auswirkungen überproportional zu spüren bekommen. Über die Dramatik der Situation waren sich die drei HerausgeberInnen am Podium allerdings nicht ganz einig. Christine Stelzer-Orthofer (JKU Linz), die zu Beginn die Genese des Sammelbandes erläuterte, vertraut auch in der „Polykrise“, in der wir uns schon seit einiger Zeit befinden, auf die Resilienz des Wohlfahrts­staates. Dieser sei trotz mancher Mängel ein langjährig bewährtes Erfolgsmodell. Und sie warnt davor, angesichts der aktuellen Pr...

Systematische Benachteiligungen in der Demokratie?

Inwieweit Armutsgefährdete von demokratischen Prozessen ausgeschlossen werden, ist Thema eines gemeinsam mit Christine Stelzer-Orthofer verfassten Beitrags im Sammelband „Armut in der Krisenge­sell­schaft“, herausgegeben von Nikolaus Dimmel et al. Hier die – um aktuelle Daten und einige Anmerkungen ergänzte - Kurzfassung.   Überall wird von der „Krise der liberalen Demokratie“ gesprochen, dies wird u.a. an der sinkenden Wahlbeteiligung, der abnehmenden Parteibindung, dem Schwinden der Wähler­basis vormaliger Großparteien und dem parallelen Aufstieg von Parteien am Rande des politischen Spektrums festgemacht. Mit liberaler Demokratie ist i.d.R. das gegenwärtige politische System gemeint, das sich – auf eine Kurzformel gebracht – hierzulande durch eine Kombination aus repräsentativer Demokratie, Rechts- und Sozialstaat auszeichnet. Inwieweit sich die österreichische Bevölkerung mit diesem System identifiziert, wurde anhand von drei Indikatoren untersucht: dem Vertrauen in das pol...

Rot gegen Blau in Oberösterreich

  Rot gegen Blau in Oberösterreich Die Wahlen sind geschlagen und Linz hat seit Ende Jänner 2025 mit Dietmar Prammer neuerlich einen sozialdemokratischen Bürgermeister. Erstmals war der SP-Kandidat jedoch in der Stichwahl mit einem freiheitlichen Herausforderer konfrontiert. Ein guter Anlass, den Werdegang der beiden Parteien in Oberösterreich zu beleuchten .   Die Wurzeln der Sozialdemokratie Die Sozialdemokratie hat ihren räumlichen Schwerpunkt in den Ballungszentren, konkret im oberösterreichischen Zentralraum, wo sie traditionell stärker vertreten ist als in den übrigen Regionen. Dass das Wahlverhalten in der Stadt anders ist als auf dem Land, kann zum einen auf die jeweils unterschiedliche Wirtschafts- und Sozialstruktur, agrarisch versus industriell, zurückgeführt werden, zum anderen – damit zusammenhängend - auf Differenzen im Lebensstil: traditionell- katholische versus moderne, weltliche Lebensweise. Paradigmatisch hierfür können im nationalen Kontext einersei...